Die Monotropismus-Theorie über Autismus
Über die Ursachen von
Autismus wird seit langen diskutiert und gestritten. Hypothesen wurden
aufgestellt, die von Kühlschrankmüttern bis zu Impfschäden
reichten. Alle diese Theorien waren wissenschaftlich nicht haltbar und
sind heute längst widerlegt.
Eine neue Erklärung für Autismus bietet die Monotropismus-Theorie:
ein nicht-pathologisierendes Konzept, das sowohl Autismus
als auch Nicht-Autismus erklärt.
Die Monotropismus-Theorie erklärt Autismus folgendermaßen:
Die meisten Menschen verteilen ihre Aufmerksamkeit auf viele verschiedene
Dinge gleichzeitig (Polytropismus). Dabei erhält ein einzelnes
Detail weniger Aufmerksamkeit, denn die Menge der Aufmerksamkeit ist
begrenzt. Menschen im Autismus-Spektrum (zu dem auch das Asperger-Syndrom
gehört) konzentrieren sich auf eine einzelne Sache, und darauf
dafür viel stärker (Monotropismus). Für manche Tätigkeiten
ist es vorteilhaft, seine Aufmerksamkeit auf viele verschiedene Dinge
zu streuen - z.B. in der sozialen Interaktion mit anderen Menschen.
Für andere Tätigkeiten ist es vorteilhaft, seine Aufmerksamkeit
auf eine Sache zu fokussieren, z.B. für hochspezialisierte Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler.
Das erklärt auch, warum Autisten in manchen Gebieten sehr gut
sind, dabei aber Schwierigkeiten mit "einfachen" Dingen haben:
das, worauf ihre Aufmerksamkeit fokussiert ist, darin sind sie gut.
Dinge, die außerhalb ihres Aufmerksamkeitstunnels liegen oder
einen hohen Grad an verteilter Aufmerksamkeit erfordern, bereiten Schwierigkeiten.
Der Grad an Monotropismus bzw. Polytropismus wird dabei als Spektrum
gesehen: manche Menschen sind eher monotrop, andere eher polytrop, aber
eine Grenze gibt es nicht. Nach der Monotropismus-Theorie nennen wir
diejenigen Menschen monotrop, die sich sehr weit auf der einen (monotropen)
Seite dieses Spektrums befinden. Die Grenzen dessen, was Autismus genannt
wird und sogenannter Normalität sind fließend. Die Frage
ist also nicht mehr, ob jemand autistisch ist, sondern zu welchem Grad
- und ein bisschen autistisch ist demnach jeder.
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